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Der Lippenstift meiner Mutter

Berliner Zeitung vom 30.9.2010

Poetische Stalinisten in Masuren

Von Mathias Schnitzler

Ohne seine polnische Heimat, die er 1985 verlassen hat, würde es den Schriftsteller Artur Becker nicht geben. Doch Deutschland spielt im literarischen Kosmos Beckers eine ebenso wichtige Rolle. Der Autor schreibt auf Deutsch, erhielt im letzten Jahr dafür den Chamisso-Preis. Erst im prosaischen Deutschland konnte die Sehnsucht nach den Masuren so überwältigend werden, Sehnsucht nach den Menschen, der Natur und der Poesie, die dort in der Provinz, gleichsam in der Luft liegt. Auf Polnisch wären Beckers Romane und Erzählungen kitschig, die Zweitsprache Deutsch schafft Distanz - und immer wieder Unebenheiten, Störungen, die bisweilen holprig wirken, aber auch als eigenwillige deutsch-polnische Poetologie geschätzt werden können.
»Der Lippenstift meiner Mutter« spielt im Polen der Achtzigerjahre, in den Masuren, genauer in Dolina Roz. Wie immer treffen wir auf ein Personal aus allerschrägsten Vögeln. Der 15-jährige Bartek, Inhaber einer schillernden, allerdings imaginären Geliebten, und seine Clique planen eine antikommunistische Revolution - wenn da nur nicht Frau Natalia wäre, die dichtende Stalinistin, und Schtschurek, Sohn des Totengräbers und Erzfeind Barteks mit dem Gesicht einer Ratte. Von der Miliz ganz zu schweigen. Als Opa Franzose nach Jahren wieder im Dorf auftaucht und mit seinem Lebenswandel die katholische Ordnung stört, nimmt das Unheil seinen fröhlichen Lauf.

 

 

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